Grießsuppe

Gebrannte Grießsuppe, in Teller angerichtet, mit kleingeschnittenen Lauchzwiebeln und Thymianblättchen bestreut
Simpel, aber gut: Gebrannte Grießsuppe
Grießsuppe, Textur im Detail, die aufgequollenen Grießkörner sind gut zu erkennen
Textur der Suppe im Detail, die aufgequollenen Grießkörner sind gut zu erkennen

Wenn Ihnen das Idiotenspiel des rastlosen Immermehr wieder mal schwer zusetzt, sorgen genauere Blicke aufs Weniger für schnelle Abhilfe. Ein brauchbares Studienobjekt dafür ist Grießsuppe, deren Minimalismus vor dem Hintergrund der überdekorierten Spätmoderne schon fast subversiv wirkt. Brühe, Grieß und etwas Gemüse – mehr ist es nicht, und doch reden wir über eine Suppe von unstrittiger Raffinesse, die der Arme-Leute-Küche entstammt und eindrucksvoll zeigt, was aus der Not geborener Erfindungsgeist zustande bringen kann.

Aus dem Kanon der bürgerlichen deutschen Küche ist Grießsuppe nicht wegzudenken, weil sie geradezu idealtypisch hineinpasst. Anständig essen wollte auch der deutsche Bürger jederzeit, doch sollte es bitteschön maßvoll und wirtschaftlich bleiben – das höchst einflussreiche »Praktische Kochbuch« von Henriette Davidis enthält folgerichtig einen ausführlichen Anhang mit auf den Pfennig genau bezifferten Vorschlägen für den »billigen Mittagstisch«.1 Das traditionelle Mittagessen mag in Auflösung begriffen sein, die Grießsuppe ist aber immer noch da und nichts deutet auf ihr Verschwinden hin.

Zutaten und Zubereitung

Grieß wird in Brühe gegart und quillt dabei auf. Welche Brühe Sie nehmen, ist nachrangig: Rinder-, Hühner- oder Gemüsebrühe eignet sich gleichermaßen, Hauptsache, sie ist gut und kräftig. Die den Grießkörnchen anhaftende Stärke löst sich in der heißen Brühe auf und verleiht ihr Bindung. Im Ergebnis entwickelt die Suppe eine sämige Konsistenz und eine subtil körnige Textur. Mit der eingangs erwähnten Gemüse-Einlage – meistens Karotten, Sellerie und Lauch – lässt sich die bereits recht ansehnliche Grundzubereitung beträchtlich aufwerten, ohne dem Primat des Minimalistischen zu widersprechen. Wichtig ist, dass Sie das Gemüse wirklich winzig fein würfeln – es soll erstens die Körnigkeit um eine weitere, nur wenig gröbere Schicht ergänzen und zweitens in verhältnismäßig kurzer Zeit gar werden. Eine zweite empfehlenswerte Maßnahme besteht darin, den Grieß zur Intensivierung seines Geschmacks anzurösten, bevor er mit Flüssigkeit in Berührung kommt. Das Resultat dieser Technik ist unter dem Namen Gebrannte Grießsuppe bekannt, in manchen Regionen auch als Geröstete Grießsuppe.

Einige Rezepte propagieren aufgeschlagene Eier, die zum Schluss unter die Suppe gerührt werden. Das schmeckt keinesfalls schlecht, verwischt aber den genügsamen Charakter der Grießsuppe zugunsten von mehr als nur einer Spur Parvenühaftigkeit. Rühren Sie Eier also höchstens vorsichtshalber unter, falls reiche Leute zum Essen kommen.

Rezept4 Personen

Gebrannte Grießsuppe

  • 1 l Brühe
  • 70 g Hartweizen- oder Weichweizengrieß
  • 60 g geschälte Karotte
  • 60 g geschälte Knollensellerie
  • 60 g geputzter Lauch, hellgrüner/gelber Teil
  • 30 g Butter
  • nach Belieben: Lauchzwiebelringe und Thymianblättchen zum Bestreuen

Brühe erwärmen. Derweil die Gemüse in 1 mm kleine Würfel schneiden.

in einem zweiten Topf bei Dreiviertelhitze Butter zerlassen und die Gemüsewürfel 2 Minuten darin anschwitzen.

Grieß zu den Gemüsewürfeln geben und 2–3 Minuten unter ständigem Rühren mitschwitzen, bis der Grieß röstig zu duften beginnt und leicht gebräunt ist.

Heiße Brühe zugießen und sorgfältig mit dem Grieß und dem Gemüse verrühren. Aufkochen, dann die Hitze reduzieren und die Suppe 5 Minuten leise köcheln lassen, dabei immer wieder umrühren. Suppe vom Herd ziehen und 10 Minuten zugedeckt nachquellen lassen.

Beim Anrichten nach Belieben mit fein geschnittenen Lauchzwiebelringen und Thymianblättchen bestreuen.

1 Henriette Davidis »Praktisches Kochbuch. Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche« gilt allgemein als maßgebliches Grundlagenwerk der deutschen Küche. Die erste Auflage unter diesem Titel war eigentlich schon die dritte und erschien 1849 im Verlag Velhagen und Klasing, Bielefeld. Der Anhang »Die Kunst gut und billig zu essen« wurde erst in späteren Auflagen angefügt, die nach Davidis’ Tod 1876 zunächst von Luise Rosendorf und ab 1892 von Luise Holle bearbeitet wurden. Die Grießsuppe des »Praktischen Kochbuchs« (4,92) muss sich übrigens mit Wasser statt Brühe begnügen.

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